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Das Lehramt - Immer noch ein typischer Frauenberuf?

Die „Feminisierung“ der Schule ist ein bekanntes Schlagwort, dass allerdings auch einen wahren Kern hat. Feminisierung meint, dass vor allem im Grundschulbereich sehr viele Frauen arbeiten. Junge Frauen entscheiden sich zu einem großen Teil für wenige „frauentypische“ Berufe, sie sind überproportional vertreten in den Geisteswissenschaften und pädagogischen Studiengängen, unterproportional in technischen Bereichen wie etwa dem Ingenieursstudium. Das spürt man auch bei der Fächerwahl: Junge Frauen wählen schwerpunktmäßig die geisteswissenschaftlichen und musischen Fächer für das Lehramt, Deutsch, Sachkunde und Musik oder gestalterisches Werken sind ihre Favoriten. 

Ein Problem auch bei den derzeitigen Mangelfächern: Die meisten Frauen tun sich schwer mit den Naturwissenschaften und der Mathematik als Unterrichtsfach, obwohl sie in der Schule dort häufig gute Leistungen erzielt haben. Dabei sind naturwissenschaftliche Fächer bei Einstellungen gefragt, sie ermöglichen zudem abwechslungsreiches und anspruchsvolles Unterrichten mit vielen didaktischen Methoden. Auch ist es für Mädchen wichtig, Frauen in Naturwissenschaften als Vorbild in der Schule zu erfahren. Zu den Traumberufen für Frauen gehört weiterhin an oberster Stelle der Beruf Lehrerin: „Ich möchte gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und ihnen etwas vermitteln“ ist ein häufig genanntes Berufswahlmotiv gerade bei Frauen. 

Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Berufswahlmotive von Interessentinnen am Lehramt Parallelen zu Idealen eigener Kindererziehung aufweisen. Gemeinhin gilt ja auch der Beruf Lehramt als optimal zur Vereinbarung von Familie und Beruf, für viele junge Frauen immer noch ein wichtiges Argument. Eine solche Berufseinstellung geht zumeist einher mit einem hohen pädagogischen Ideal, das die Lehrerinnen dann im Berufsalltag schnell anfällig macht für Enttäuschungen bis hin zum Burn-Out, dem sogenannten Ausbrennen besonders engagierter Lehrerinnen. Auch steht dahinter oft ein idealisiertes und unklares Berufsbild, in der Schule etwa haben sie den Lehrerberuf nur aus der Schülerperspektive wahrgenommen.

Was Lehrerinnen zusätzlich am Nachmittag oder Abend arbeiten müssen, etwa in Konferenzen und Elterngesprächen, bei der Unterrichtsvorbereitung und Korrektur, können sie vielleicht gar nicht einschätzen. Deshalb ist es um so wichtiger, eine klare Vorstellung von den Anforderungen und Belastungen des Lehrerberufs zu haben. Dies gilt natürlich nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. 

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