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4. Belastungsquelle: Einzelkämpfende Kolleg/innen

Der Lehrerberuf ist im Großen und Ganzen noch immer wenig von
wirklicher Kooperation geprägt. Die Regel ist der "Einzelkämpfer": vor
der Klasse und am Schreibtisch zu Hause. Team-Teaching ist die absolute
Ausnahme, Hospitationen ebenso. In vielen Kollegien herrscht eine
implizite »Nichteinmischungsnorm«, die nach dem Grundsatz funktioniert:
Lass mich in Ruhe, dann lass ich dich auch in Ruhe. Gerade
Berufseinsteiger/innen, die Kooperation und Begleitung wünschen und
brauchen, tun sich in diesem Kontext sehr schwer und fühlen sich im
Kollegium vereinsamt. Für Quer- und Seiteneinsteiger/innen ist das oft doppelt
schwierig, weil sie in ihren bisherigen Berufsfeldern in aller Regel
eine enge Zusammenarbeit im Team praktiziert haben – und weil die
Kolleginnen und Kollegen denken, Sie hielten sich für etwas Besseres,
weil Sie schon in einem anderen Beruf gearbeitet haben und das harte
"wahre Leben" draußen kennengelernt haben, während es sich der Rest des
Kollegiums im Schonraum Schule bequem gemacht hat. Wer die seltsamen
Formen und impliziten Regeln für Kooperation im Kollegium nicht kennt
oder nicht beachtet, verursacht Irritationen.

Das könnte Sie entlasten:

  • Geben Sie sich in den ersten Wochen allen Kolleginnen und Kollegen gegenüber freundlich und höflich, aber auch ein wenig zurückhaltend. Mit der Zeit werden Sie merken, welche Kolleginnen und Kollegen Ihnen besser liegen und mit wem Sie gut kooperieren können.
  • Bieten Sie punktuell Kooperation an, auch wenn erst einmal nichts zurückkommt.

 

  • Nutzen Sie informelle Gespräche zur Kooperation: am Kopierer, in der Raucherpause, bei der Pausenaufsicht, in der großen Pause im Lehrerzimmer.

Marc Böhmann