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Als sachorientierte Lehrkraft an der Grundschule unterrichten

Heinrich K. war viele Jahre lang ein von Kindern, Eltern und Lehramtsstudierenden geschätzter Ausbildungslehrer. Er entsprach so gar nicht dem Typus der quirligen, extravertierten Grundschullehrkraft, die ständig ein Lied auf den Lippen hat und die Kinder wie ein Entertainer durch den Schultag führt. Im Gegenteil: Er war ein zwar freundlicher, aber eher zurückhaltender und sachbezogener Mensch mit hervorragenden Kenntnissen in den Naturwissenschaften.

Er hatte schon bei seinen Neunjährigen ein ausgeklügeltes System der Selbststeuerung und Schülermitbeteiligung eingerichtet, bei dem die Kinder selbst Gespräche leiteten und Konflikte lösten. Er lehnte in solchen Phasen oft am Rand der Klasse an einer Säule, sodass man seine hagere Gestalt kaum wahrnahm, nur dann und wann griff er mit leiser, aber sicherer Stimme ein.

Auch im Fachunterricht stand nicht er im Mittelpunkt, sondern „die Sache“, zum Beispiel das physikalische Phänomen, um das es gerade ging. Zur Unterstützung dieses Unterrichtsstils hatte er eine Fülle an Materialien übersichtlich geordnet in einem Nebenraum der Klasse bereitgestellt. Auf diese konnten er oder die Kinder bei Bedarf zugreifen. Man merkte, wie sehr ihn der Lehrstoff faszinierte und wie seine Begeisterung auf die Schüler/innen übersprang. Damit beugte er zugleich Unterrichtsstörungen vor.

Quelle: Mayr, J. (in Druck). Lehrerpersönlichkeit. In J. Mägdefrau (Hrsg.), Aus Fällen lernen - Theorien zum schulischen Lernen an Beispielen aus der Praxis (Arbeitstitel). Bad Heilbronn: Klinkhardt.